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Interview mit Beatrix Caner
Parçalanmanýn Türk Romanýna Yansýmasý - Adalet
Aðaoðlu |
Was könnte die Vermittlerrolle zwischen zwei Länder besser spielen, als
Literatur. Das Interesse dürfte im Falle der türkischen Literatur neben ästhetischen,
auch praktische Seiten haben und Einblicke ermöglichen, wo die alltägliche Begegnung
nicht ausreicht, Verständnis erzeugen, wo Unterschiede bestehen.
Einander auf der Ebene Kultur zu begegnen heißt, eine unverhoffte Bereicherung zu
erfahren, die eigene Welt farbiger zu gestalten. Das Buch "Türkische Literatur -
Klassiker der Moderne" schließt hier eine wichtige Lücke: Sowohl der
literarisch interessierte Leser, als auch der beruflich Betroffene erhält zuverlässigen
Leitfaden.
Beatrix Caner wirft in diesem Buch auf viele Vorgänge neues Licht. Das historische
Vorfeld, das die Bedingungen für eine europäisch orientierte Literatur geschaffen hat,
führt sie aus der Perspektive der "Moderne" vor Augen und stellt die
Geistesgeschichte der Türkei in neuartigen Zusammenhängen in den Vordergrund. Sie weist
dem deutschen Leser in einem geistigen Entfaltungsprozeß den Weg und bereit den Zugang zu
einer literarischen Landschaft, die in Europa bislang weitgehend unbekannt blieb. Seit
langer Zeit steht türkische Literatur im Schatten unvollständiger Wahrnehmung, die
anderen als den medienwirksamen Schreibenden kaum Chancen läßt. Dabei hält diese
Dichtkunst eine ästhetische Vielfalt bereit, von ungeahnter Spannung und Kraft, die den
Lesern nicht vorenthalten werden sollte.
Zugang zur Linie der Moderne des 20. Jahrhunderts bietet diese Präsentation in
Einzelabhandlungen die auf mindestens ein Werk der behandelten Literaten eingehen und
diese aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten. Dabei spielt die Zeitachse als
historische Kausalität nicht die Hauptrolle. Der Leser erfährt auch, wie die türkische
Literaturkritik Autoren und Werke beurteilt hat und welche Faktoren dabei im Hintergrund
eine Rolle spielten. So erscheinen die vorgestellten Werke nicht für sich stehend,
sondern im Komplex des literarischen Gesamtumfeldes. Aber auch die Leinwand
"Weltliteratur" ist im Hintergrund präsent, vor der die türkische Literatur
ihre Einbindung in das globale Geschehen erhält. Eine besondere Note bringen schließlich
die Interpretationen und Analysen von Beatrix Caner, in denen sie in vielen Werken neue
Dimensionen entdeckt.
Überzeugend ist die These Beatrix
Caner's, den vielseitigen, für die neue Generation Vorbild gewordenen Künstler Ahmet
Hamdi Tanpinar (1901-1962) als den Höhepunkt der türkischen Moderne zu betrachten.
Außergewöhnliche Erfahrungen prägten diesen Dichter, der wie kein anderer, den Zustand
der türkischen Gesellschaft um die Mitte des 20. Jahrhunderts diagnostiziert hat: Eine
ins Tiefe fortschreitende Spaltung, Zersplitterung. Was ist moderner als das?
Daß sich türkische Literatur an
bester Weltliteratur messen lassen kann, beweist der Roman Huzur (Harmonie) des
letztgenannten Autors. Beatrix Caner arbeitet dessen wichtigste "Motive" als
Parallelen zu Beethovens Fünfte Symphonie heraus und lenkt so die Rezeption dieses Romans
in neue Bahnen. Das Rahmenthema "Zweiter Weltkrieg" wird erstmalig in
den Vordergrund der Analyse gestellt und die Ordnung
"Welt-Türkei-lndividuum" in Zusammenhang gebracht. Die Haltung und das
Zerbrechen "des türkischen Intellektuellen" am herrschenden Zeitgeist dieses
vernichtenden Krieges, werden durch viele Zitate, ausgezeichnete Übersetzungen des
schweren Textes, illustriert.
Nicht nur dieser Roman wird für den
deutschen Leser überraschende Töne und Erkenntnisse bereithalten. Die zahlreichen,
gelungenen Übersetzungen geben Kostproben literarischer Texte. Eine umfangreiche
Bibliographie rundet das Werk ab.
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Beatrix Caner |
Türkische Literatur |
Klassiker der Moderne |
Georg Olms Verlag |
Hildesheim Zürich New York |
1998 |
432 Seiten 88,00 DM |
Zu Beziehen bei: |
Mesut Caner Bücherversand |
Trümpertstr. 1 |
60489 Frankfurt a. M. |
Tel. / Fax: 069 - 7892805 |
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